DIE MUSIK DER 20er UND 30er JAHRE
Mitte der 20er Jahre konnten sich Österreich und Deutschland langsam aus der bedrückenden Lage, die der Weltkrieg hinterlassen hatte, befreien. Wien und Berlin entwickelten sich wieder zu wichtigen kulturellen Zentren, in denen die Unterhaltungsbranche, insbesondere der Film einen großen Stellenwert einnahm. Von überall her kamen Künstler um die neue Aufbruchstimmung mitzuerleben. Eine noch nie dagewesene Anzahl von Kinos, Theatern, Kabaretts und Varietés zeugt vom künstlerischen Potential, aber auch von der großen Ver-gnügungssucht, die zu der Zeit in diesen europäischen Metropolen herrscht. Besonders Berlin wurde vom Jazzfieber und von einer wahren Tanzwut erfaßt. Klaus Mann schreibt: "Millionen von unterernährten, korrumpierten, verzweifelt geilen, wütend vergnügungssüchtigen Männern und Frauen torkeln und taumeln dahin im Jazz-Delirium. Der Tanz wird zur Manie, zur Idee Fixe, zum Kult!" Und das, obwohl keiner in Deutschland bis dahin eine richtige Jazz-Band gesehen oder gehört hatte. Diese Situation ändert sich erst 1926, als das Orchester Sam Wooding mit den "Chocolate Kiddies", einer schwarzen Revuetruppe in Berlin gastierte und eine gewaltige Euphorie auslöst. Friedrich Hollaender, der Marlene Dietrichs Welterfolg "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" geschrieben hat, erinnert sich: